Feuchtgebiete am Oberrhein schützen

Feuchtgebiete gehören zu den wertvollsten und am stärksten bedrohten Lebensräumen. Am Oberrhein ist ihr Erhalt für die Biodiversität, die Wasserressourcen und die Anpassung der Gebiete an den Klimawandel von entscheidender Bedeutung. Eine grenzüberschreitende Partnerschaft setzt sich für den Schutz und die Wiederherstellung dieser Lebensräume ein.

Was ist ein Feuchtgebiet?

Feuchtgebiete sind Naturräume, die durch das Vorhandensein von permanentem oder temporärem Wasser gekennzeichnet sind. In der Oberrheinischen Tiefebene umfassen sie eine große Vielfalt an Lebensräumen: Moore, Sümpfe, Riedgebiete, Feuchtwiesen und Tümpel.

Diese Lebensräume spielen eine wesentliche Rolle für das Funktionsgleichgewicht der Ökosysteme und stehen in engem Zusammenhang mit den Fließgewässern und Grundwasservorkommen.

Warum sind sie so wichtig?

Wenn sie in gutem Zustand sind, erfüllen Feuchtgebiete zahlreiche natürliche Funktionen:

  • Sie beherbergen eine bemerkenswerte Artenvielfalt: etwa 30 % der seltenen oder bedrohten Arten, alle Amphibien, fast die Hälfte der Vögel und ein Drittel der seltene Pflanzenarten
  • Sie regulieren den Wasserhaushalt: natürliche Reinigung, Grundwasserneubildung, Hochwasserschutz
  • Sie tragen zum Kampf gegen den Klimawandel bei: Kohlenstoffspeicherung, Regulierung der lokalen Temperaturen, Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren und Überschwemmungen durch ihre Schwammfunktion

Feuchtgebiete im Oberrheingebiet werden restauriert

Im Laufe des letzten Jahrhunderts sind mehr als die Hälfte der Feuchtgebiete in Europa verschwunden. Sie sind heute das am stärksten bedrohte Ökosystem und verschwinden dreimal schneller als Wälder. Von den noch vorhandenen Feuchtgebieten befindet sich nur ein kleiner Teil in einem guten Erhaltungszustand.

Auch die Oberrheinische Tiefebene bleibt vom Rückgang und der Verschlechterung dieser Feuchtgebiete nicht verschont. Ihr Erhalt ist eine der Herausforderungen, denen sich Behörden und Naturschutzverbände im grenzüberschreitenden Raum des Oberrheins stellen müssen. Die Probleme sind vielfältig: Es fehlt an Wissen über die hydrologischen und biologischen Funktionen dieser Gebiete, über das Vorkommen und den Erhaltungszustand von Tier- und Pflanzenarten sowie über die Qualität der Biotope. Hinzu kommen Siedlungsdruck, eine intensiver werdende Landwirtschaft mit steigender Wasserentnahme und sinkendem Grundwasserspiegel sowie eine Reihe lokaler Belastungen, die diese empfindlichen Lebensräume zusätzlich gefährden.

Ihr Schutz ist eine gemeinsame Herausforderung, die koordinierte Maßnahmen auf beiden Seiten der Grenze erfordert. Vor diesem Hintergrund wurde das grenzüberschreitende Projekt „Renaturierung und Resilienz von Feuchtgebieten am Oberrhein” ins Leben gerufen.

Dieses Projekt umfasst 12 Pilotstandorte im Elsass, in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg und vereint 17 französische und deutsche Partner, die sich seit Oktober 2025 für einen Zeitraum von drei Jahren für die Wiederherstellung und Renaturierung dieser Lebensräume engagieren.

Ein gemeinsames Aktionsprogramm

Das Projekt basiert auf einem grenzüberschreitenden Aktionsprogramm, das sich auf mehrere komplementäre Schwerpunkte konzentriert:

  • Renaturierungs- und Wiederherstellungsarbeiten, insbesondere auf ehemaligen Deponien, Wiesen oder Freizeitgewässern, um die natürliche Funktion der Feuchtgebiete wiederherzustellen
  • Studien zur hydrologischen und biologischen Funktion dieser Lebensräume im Kontext des Klimawandels
  • Überwachung der Fauna und Flora mit Hilfe innovativer Methoden wie Umwelt-DNA oder KI-gestützte akustischen Sensoren
  • Sensibilisierungs- und Vernetzungsmaßnahmen, die den Austausch von Daten, Methoden und Erfahrungen zwischen Feuchtgebietsmanagern fördern

Diese Maßnahmen werden gemeinsam von Experten, Verbänden, Verwaltern und Freiwilligen beider Seiten des Rheins durchgeführt.

Eine strukturierte grenzüberschreitende Partnerschaft

Das Projekt vereint Partner, die auf Naturschutz spezialisiert sind:

  • im Elsass: die Collectivité européenne d’Alsace, das Conservatoire des Espaces Naturels d’Alsace, die Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO) und der Verein ODONAT
  • in Rheinland-Pfalz: die Stiftung Natur und Umwelt
  • in Baden-Württemberg: NABU-Waldinstitut, NABU Südbaden, Euro-Institut und Regierungspräsidium Karlsruhe (RPK)

Die Collectivité européenne d'Alsace ist Trägerin des Projekts. Sie gibt Impulse für die grenzüberschreitende Dynamik und koordiniert die Partnerschaft.

Um diese Akteure herum hat sich eine ganze Reihe von Partnern gebildet, um die Finanzierung (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Wasserbehörde Rhein-Maas) oder die technische Umsetzung zu unterstützen (SGD Süd, Parc Naturel Régional des Vosges du Nord, Stadt Wissembourg, Eurodistrict Pamina, Syndicat des Eaux et d'Assainissement Alsace-Moselle, Region Grand-Est).

Das Projekt hat ein Gesamtbudget von 4,3 Millionen Euro. Im Rahmen des INTERREG-Programms Oberrhein wird es zu 60 % der förderfähigen Ausgaben, d. h. mit maximal rund 2,6 Millionen Euro, aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.

Diese Unterstützung ermöglicht die Entwicklung ehrgeiziger und koordinierter Maßnahmen zum Schutz der Feuchtgebiete am Oberrhein.

Schutz von Feuchtgebieten für die Zukunft

Durch die Restaurierung von Feuchtgebieten und die Stärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit trägt diese länderübergreifende Partnerschaft zum Erhalt der biologischen Vielfalt, der Wasserressourcen und der Widerstandsfähigkeit der Gebiete bei.

Der Erhalt von Feuchtgebieten ist eine langfristige Verpflichtung im Dienste der heutigen AnwohnerInnen und künftiger Generationen.